Pressemitteilung:
Gütersloh, 12. August 2009
Die Sonne schickt keine Rechnung
SPD-Abgeordneter Klaus Brandner lud zum Gespräch über Energiewende
„Klimawandel – das klingt niedlich, wir sprechen ja auch nicht vom Wirtschaftswandel, sondern eine Krise und die haben wir auch in diesem Bereich: wir stecken in einer Klimakrise“, sprach der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Becker am Mittwochabend bei der Veranstaltung „Fraktion vor Ort“ zum Thema „Die Energiewende schaffen“ deutliche Worte. Unter Leitung von Gastgeber Klaus Brandner, Parlamentarischer Staatssekretär, diskutierte Becker in den Räumlichkeiten der Stadtwerke mit Maria Unger, Bürgermeisterin der Stadt Gütersloh, Maik Kleinehellforth, der vom Geschäft mit den erneuerbaren Energien lebt und Swen Kirchhoff, Vorsitzender des Vereins Klimaschutz-Initiative-Versmold über den Umgang mit Energie, Zukunftsprognosen und konkrete Handlungsoptionen.
Das Bewusstsein für die Veränderung des Klimas und die künftige Energiepolitik ist bei zahlreichen Bürgern im Kreis Gütersloh vorhanden, das beweisen die vermehrte Anschaffung von Solaranlagen, Gebäudesanierungen bei denen auf Umweltschutz großen Wert gelegt wird und der öffentliche Dialog über die Thematik. „Aber es muss noch viel mehr getan werden“, weiß Swen Kirchhoff. Der Unternehmer gründete vor zwei Monaten den Verein Klimaschutz-Initiative-Versmold und berichtete darüber, wie er und die 39 anderen Vereinsmitglieder systematisch Öffentlichkeitsarbeit betreiben. „Bei uns gibt es Fahrlehrer, Architekten, Autohäuser und mehr, denn jeder kann durch sein Handeln etwas beitragen“, schilderte Kirchhoff. „Wir machen Beratungsveranstaltungen, gehen mit Theaterstücken in Kindergärten und vieles mehr.“
Ökologie und Ökonomie – das schließe sich keineswegs aus, davon zeigten sich nicht nur die Akteure auf dem Podium überzeugt: Einer der 70 Besucher rechnete einem Kritiker der erneuerbaren Energien vor, dass sich für ihn die Umrüstung auf Sonnenenergie auch finanziell gelohnt hat. Ohne die erneuerbaren Energien sei der Bedarf in Zukunft auch gar nicht mehr abzudecken, schon jetzt haben sie 16 Prozent Marktanteil. „Wir rechnen mit einer drastisch steigenden Energienachfrage von bis zu 50 Prozent in den nächsten Jahrzehnten“, unterstrich Dirk Becker. „Die Energieträger hingegen entwickeln sich in eine ganz andere Richtung: sie gehen zur Neige.“
Auf diese Herausforderung müssen Politik, Unternehmen und jeder einzelne Bürger gemeinsam Antworten und in letzter Konsequenz konkrete Maßnahmen entwickeln. Die Stadt Gütersloh arbeitet daran bereits. „Seit 1992 gibt es eine Verbrauchskontrolle in städtischen Gebäuden, wir haben die CO2-Emissionen von 92 bis 2008 um 25 Prozent gemindert“, berichtete Maria Unger, die stolz ist, dass es bereits seit 20 Jahren einen eigenen Fachbereich Umwelt in Gütersloh gibt. „Seit 98 fördern wir als Stadt Altbausanierungen, sind dem Klimabündnis europäischer Städte beigetreten und waren auch schon Solarhauptstadt Deutschlands.“
Im Kreis da tut sich was – das wurde im Rahmen der Veranstaltung deutlich, bei der die Besucher große Aktivität zeigten und sich mit Fragen und Anmerkungen einbrachten. „Als ich mich vor über 20 Jahren anfing, für Solarenergie einzusetzen, hat das eigentlich fast keinen interessiert“, erinnerte sich Maik Kleinehellforth, Installateurmeister aus Verl. „Inzwischen ist der Betrieb auf erneuerbare Energien spezialisiert, 2002 hatten wir noch vier Mitarbeiter, heute sind es trotz Wirtschaftskrise 26 Festangestellte, zu Saisonhöhepunkten 40 Mitarbeiter.“ Ein großes Potenzial an Arbeitsplätzen in diesem Bereich sei vorhanden, glaubt Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner. Derzeit arbeiten 200.000 Menschen in diesem Sektor, der stetig wächst.
„Ich will ihnen wirklich keine Angst machen“, führte Dirk Becker in seinem Vortrag aus, in dem er die Folgen der Klimakrise klar benannte: Der Anstieg des Meeresspiegels, ein gravierender Rückgang der schneebedeckten Flächen, von deren Gletscherwasser zahlreiche Menschen leben, mehr Flüchtlinge aufgrund von Klimakatastrophen als durch Kriege, Ernteausfälle, Krankheiten und Todesfälle. „Ich sage ihnen das deshalb so ehrlich, weil es mehr als Zeit ist, die Weichen zu stellen“, appellierte Becker an die Bevölkerung, bewusst auf den Schutz der Umwelt und den Umgang mit Energie zu achten. Das Wort Klimakanzlerin sei ein nettes Wort, so war er sich mit Klaus Brandner einig, aber es werde in Verbänden und unter Experten längst nicht mehr genutzt. „Das Effizienzgesetz ist nicht zuletzt daran gescheitert, dass keine echten Ziele darin benannt wurden und es auf Freiwilligkeit aufbaut – wenn es um unsere Umwelt, unsere Kinder und deren Zukunft geht, ist Freiwilligkeit an der Stelle ist die fehlt am Platz“, bezog Becker Stellung. Fehl am Platz ist für ihn auch die Atomenergie auf lange Sicht, denn irgendwann würden für diese risikoreiche Energiegewinnung die Konsequenzen getragen werden müssen. „Die Sonne aber schickt keine Rechnung.“