Meldung:
Halle, 26. Mai 2009
Ideale Ergänzung der dualen Ausbildung
Klaus Brandner besucht BANG-Ausbildungszentrum in Halle
„Alles hier wird anschaulich erklärt und es ist mehr Zeit da, Dinge intensiver zu besprechen als es im Betrieb der Fall ist“, schildert Kevin Schulze-Bockholt. Der 21-Jährige macht bei der Firma Rippert in Herzebrock-Clarholz eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker. Was dort vor Ort nicht umfassend besprochen werden kann, lernt er im BANG-Ausbildungszentrum in Halle. 35 Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh stehen hinter dem Ausbildungsnetzwerk, das die Möglichkeit schafft, wirtschaftlich und fachlich auf hohem Niveau ausbilden zu können. Klaus Brandner kam mit den Akteuren vor Ort in Halle ins Gespräch und zeigte sich beeindruckt: „Das ist die ideale Ergänzung der dualen Ausbildung.“
„Für die Region ist es wichtig, auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte zu haben, dafür müssen heute die Weichen gestellt werden“, weiß die Haller Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Deshalb unterstützte sie intensiv den Aufbau des BANG-Ausbildungszentrums in ihrer Kommune. Im August 2008 nahm das BANG-Team in der Kaiserstraße 10 seine Arbeit auf, die ersten drei Jahre finanziert die Stadt Halle die Hälfte der Miete für das Projekt. „Hier im Kreis Gütersloh ist der Bedarf sehr groß“, berichtete Achim Gerling, Projektleiter der BANG-Netzwerke in Deutschland. Mit 35 Firmen, die hier Mitglieder im Verein sind, ist es das größte Netzwerk und kann auch die schnellste Wachstumsrate vorweisen. 60 Auszubildende werden derzeit in Halle betreut, ab August kommen 30 neue Jugendliche dazu.
Das Konzept ist eine Antwort auf die immer spezielleren Ausbildungsinhalte und die veränderten innerbetrieblichen Strukturen - vor allem in den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die den Kreis Gütersloh prägen. „Kleine Betriebe können die kompletten Ausbildungsinhalte eines Berufsbildes oft gar nicht vermitteln, sie schicken ihren Nachwuchs deshalb hierher“, führte Achim Gerling aus. Vor Ort erwarten die Jugendlichen ideale Bedingungen, findet der Parlamentarische Staatssekretär Brandner, der sich in der Werkstatt ein Bild von der Umsetzung machte: „Die Klassen sind klein, der Ausbildungsleiter hat einen guten Draht zu den Teilnehmern und die technische Ausrüstung ist auf dem neusten Stand.“
Diese Rahmenbedingungen haben gute Ergebnisse zur Folge: „Der Notendurchschnitt liegt 12 bis 15 Prozent über IHK-Standard, die Abbrecherquote bei 5 statt bei über 30 Prozent und auch die Verbleibsquote im Betrieb ist erheblich größer als normal“, betont Achim Gerlin. Auch kostenmäßig rechne es sich, Auszubildende zu BANG zu schicken, werden so doch am Ende im betrieblichen Alltag finanzielle Mittel und Zeit eingespart.
„Die Zahlen sprechen für sich“, findet auch Klaus Brandner, der den Betrieben in der Region ans Herz legt: „Es ist ratsam, sich mit dem Ausbildungszentrum intensiv auseinanderzusetzen und zu prüfen, ob eine Beteiligung sinnvoll ist – hier bieten sich große Chancen für Auszubildende und Betriebe.“ Gerade in Zeiten der Kurzarbeit, in der das Ausbildungsgehalt weiter gezahlt wird, aber die Auszubildenden weniger praktische Ausbildungszeit im Unternehmen verbringen, würde das BANG-Zentrum die Möglichkeit bieten, diese fehlende Zeit auszugleichen. „Hier werden die Praxis aus dem betrieblichen Alltag und die Theorie aus der Berufsschule verbunden und so das duale Ausbildungssystem sinnvoll unterstützt“, fasst Brandner zusammen, der intensiv für die Schaffung von Ausbildungsplätzen einsteht. Durch die Arbeit von Achim Gerling und seinen Kollegen werden mehr Plätze geschaffen, denn so müssen Betriebe nicht alle Inhalte allein vermitteln.
Unterstützend unter die Arme greift das BANG-Ausbildungszentrum aber schon während der Auswahl der Bewerber. „Wir sichten die Bewerbungen, führen Gespräche und sind auch im Rahmen der Berufsorientierung in Schulen vor Ort“, führt der Leiter aus. Finanziert wird das Netzwerk von der regionalen Wirtschaft, die die Chance hinter dem Konzept erkannt hat. „Eine richtige und gute Investition“, freut sich der Staatssekretär. Der Auszubildende Kevin Schulze-Bockholt und Ausbildungsleiter Frank Icke pflichten ihm bei – und machen sich wieder an die Arbeit, schließlich naht im Dezember für Kevin seine Abschlussprüfung.