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Ostwestfalen, 18. Mai 2009

Brandner: „Qualifizierung muss stärker vorangetrieben werden“

Parlamentarischer Staatssekretär bei Akteuren der ARGEn und den Leitern der Arbeitsagenturen zu Gast/ Thema: Der Arbeitsmarkt in OWL im Konjunktureinbruch
Kamen ins Gespräch: Klaus Brandner und die Akteure in Sachen Arbeitsvermittlung aus der Region.
83.209 Arbeitslose verzeichnete die Agentur für Arbeit in OWL im April, das entspricht einer Arbeitslosenquote von acht Prozent. Nachdem bis Anfang des Jahres die Zahlen stabil waren, hat die Finanzkrise nun den Arbeitsmarkt erreicht. „Auf dem Arbeitsmarkt stehen wir erst am Anfang der Krise, aber wir können diese Krise positiv nutzen, z.B. mit der Qualifizierung in der Kurzarbeit. Dieses Mittel kommt noch zu kurz“, machte Klaus Brandner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Soziales, im Gespräch mit den Geschäftsführern der örtlichen Arbeitsvermittlungen deutlich. Im kleinen Kreis holte sich der Abgeordnete eine Rückmeldung zu den Herausforderungen vor Ort und Einschätzungen für die kommenden Monate.

Vor allem für Maschinenbauer und Automobilzulieferer sei die Situation problematisch. Bisher jedoch habe noch keine große Entlassungswelle den Standort Bielefeld oder den Kreis Gütersloh erreicht, berichtete Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit in Bielefeld. Das sei vor allem den schnellen Reaktionen von Seiten des Gesetzgebers zu verdanken. So habe man mit dem Kurzarbeitergeld ein wirksames Mittel gegen den Anstieg der Arbeitslosigkeit geschaffen. Seit Oktober gab es in OWL 2.609 Anzeigen von Arbeitgebern auf konjunkturelle Kurzarbeit für insgesamt 73.597 Beschäftigte.
„Arbeitsmarkttechnisch steht die Krise erst am Anfang“, weiß Klaus Brandner, der die Entwicklung von Arbeitsmarktinstrumenten im Ministerium wesentlich mit gestaltet. Er lobte das Engagement der Agenturen und Arbeitsmarktvermittlungen vor Ort und das Frühwarnsystem, das Thomas Richter während des Gesprächs vorstellte. Die regelmäßige Beobachtung von sieben Indikatoren lässt eine frühzeitige Erkennung von Problembereichen zu. So ist es möglich, schnell zu reagieren und gegenzusteuern. Für die Beratung stehen den Agenturen auch zusätzliche Mitarbeiter zur Verfügung, berichtete Richter über die Lage vor Ort. „Neben der Personalaufstockung wurden unsere Öffnungszeiten erweitert und in Teilbereichen werden Überstunden gemacht.“
Klaus Brandner zeigte sich über dieses Entgegenkommen der Agenturen erfreut. Schließlich komme in einer wirtschaftlichen Situation wie dieser dem Personal in den Arbeitsvermittlungen eine besondere Rolle zu. Kritik übte der Staatssekretär an anderer Stelle: „In dieser Situation habe ich überhaupt kein Verständnis dafür, dass die CDU mit ihrer Blockade-Haltung eine Neuordnung der ARGEn verhindert“. Diese ist notwendig, nachdem das Bundesverfassungsgericht die bisherige Zusammenarbeit der Gemeinden mit der Arbeitsagentur in den Arbeitsgemeinschaften für verfassungswidrig erklärt hat. Eine Grundgesetzänderung, die parteiübergreifend von den Arbeits- und Sozialministern der Länder bereits im vergangenen Jahr entwickelt wurde, um die Arbeitsgemeinschaften in Zentren für Arbeit und Grundsicherung umzuwandeln, scheiterte überraschend am Widerstand der CDU-Bundestagsfraktion. „Dieses Hin und Her hat für eine große Unsicherheit beim Personal in den Argen gesorgt“, kritisierte Brandner.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise als Chance zu begreifen und dementsprechend zu nutzen, das wünscht sich Klaus Brandner vor allem für den Bereich der Qualifizierung. „Die Möglichkeit der Kurzarbeit ist bekannt und wird angenommen, aber die Qualifizierung in der Kurzarbeit kommt noch zu kurz“, schilderte der Staatssekretär. „Gerade weil in Boom-Zeiten den Unternehmen oft die Möglichkeit fehlt, ihre Beschäftigten weiterzubilden, weil sie gebraucht werden, ist diese Phase jetzt gut geeignet.“ Die Weiterbildung werde von der Bundesagentur für Arbeit umfangreich gefördert. „Vielen Betrieben scheint nicht klar zu sein, welche Weiterbildungen das sein könnten und wie einfach man diese organisieren kann“, beobachtet Brandner. „Gemeinsam müssen wir dieses Thema bekannter machen und das kann durch gezielte Ansprache und Information gerade von Seiten der Agenturen geschehen.“ Ob Englischkurs oder Gabelstaplerschein – Qualifizierung habe viele Gesichter und biete viele Möglichkeiten für die Zukunft. Mit einer gut ausgebildeten Belegschaft könnten Unternehmen ihre Wettbewerbsposition verbessern und zugleich die Zufriedenheit der Beschäftigten erhöhen.


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