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Pressemitteilung:

Versmold, 21. November 2008

„Das geht jeden an“

Pflegereform 2008 Thema der SPD-Veranstaltung „Fraktion vor Ort“ im Katharina-von-Bora-Haus
Diskutierte über Pflege: Susanne Tatje (von links), Peter Christian König, Klaus Brandner, Thorsten Klute und Jörg Müller.
„Die Gesamtentwicklung kann in den nächsten 30 Jahren nicht mehr aufgehalten werden – selbst ein Anstieg der Geburtenraten und viele Zuwanderungen können den demografischen Wandel nur verlangsamen“, erklärte Susanne Tatje. Die für die demografische Entwicklungsplanung zuständige Mitarbeiterin der Stadt Bielefeld war eine von vier Experten, die am Donnerstagabend auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Klaus Brandner auf dem Podium des Altenzentrums Katharina-von-Bora-Haus über die Pflegereform 2008 diskutierten. In einem Punkt herrschte deutliche Einigkeit: Es muss die Chance genutzt werden, rechtzeitig über den Umgang mit den kommenden Veränderungen nachzudenken und die Weichen zu stellen.

Die schrittweise Erhöhung der Leistungsbeiträge, die Einrichtung von zentralen Pflegestützpunkten vor Ort, zusätzliches Betreuungspersonal für Demenzkranke, die Möglichkeit für berufstätige Angehörige, Pflegezeit in Anspruch zu nehmen und neue Maßnahmen wie unangemeldete Prüfungen und ein Bewertungssystem für mehr Transparenz und Qualität der Pflege – das sind die Eckpunkte der Pflegereform 2008, die Klaus Brandner den Bürgern in seinem Impulsreferat vorstellte. „Wir arbeiten stetig daran, die Lebenssituation der pflegebedürftigen Menschen, der pflegenden Angehörigen und der Pflegekräfte zu verbessern“, betonte der Sozialdemokrat. „Dabei gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“, die meisten Menschen möchten gerne so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.“
Dass die Reform zwar ein Schritt in die richtige Richtung sei, aber eben noch viele weitere Veränderungen nötig seien, machten die Beiträge der Praktiker deutlich, die Moderator Thorsten Klute nach eigenen Einschätzungen und Perspektiven fragte. „Das, was nun vorliegt, ist nicht schlecht, aber eben mehr ein Reförmchen als eine umfassende Reform“, stellte Peter Christian König vom evangelischen Johanneswerk heraus. Er wünschte sich vor allem eine neue Definition des Begriffs Pflegebedürftigkeit. „Denn so fallen zu viele Menschen durchs Raster.“
Die Weichen stellen für die sich wandelnden Bevölkerungs- und Sozialstrukturen – mit dieser Herausforderung setzt sich Susanne Tatje speziell für die Stadt Bielefeld schon seit einigen Jahren auseinander. „Wohnen, Gesundheit, Verkehr, Bildung – nahezu jeder Lebensbereich ist betroffen und muss sich verändern“, machte die Demografieexpertin deutlich. „Es ist wichtig, schon heute an die Zukunft zu denken.“ Um die Einrichtung von Pflegestützpunkten geht es nach Beschluss der Reform schon sehr bald. Jörg Müller von der Vereinigten IKK berichtete, dass im kommenden Jahr 160 solche Stellen in NRW eingerichtet werden. „Sie werden wohnortnah sein und sollen sicherstellen, dass die Angebote für Pflegebedürftigkeit direkt vor Ort besser aufeinander abgestimmt und miteinander vernetzt werden“, führte Brandner aus.
Fundament für so ein umfassendes Pflegesystem wie in Deutschland sei eine solidarische Versicherung, betonte Brandner. Auf die Frage aus dem Publikum, ob nicht auch die Pflegeversicherung zum Pflegefall werden könnte, wenn immer weniger Menschen einzahlen und die Bevölkerung immer älter werde, gab der Abgeordnete eine ehrliche Einschätzung: „Wenn die Anzahl der zu versorgenden Fälle zu groß wird und die Beiträge nicht reichen, kann es die Diskussion geben, die Pflegeversicherung mit einer privaten Säule zu ergänzen ähnlich wie jetzt bei der Rente – aber aktuell gibt es da gar keinen Handlungsbedarft.“
„Je mehr wir wie hier über die Themen demografischer Wandel, Pflege und die sich daraus ergebenden Konsequenzen sprechen, umso besser“, meinte Susanne Tatje. „Das geht jeden an.“ Die Besucher der Veranstaltung jedenfalls nahmen einige Einschätzungen und Informationen mit auf den Heimweg, außerdem hatten sie die Chance, im Anschluss an die öffentliche Diskussion mit den einzelnen Podiumsteilnehmern zu sprechen und eigene Fragen zu stellen.


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