Pressemitteilung:
Bielefeld, 30. Januar 2008
Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung nötig
„Flexible Übergänge in den Ruhestand“ Thema bei Veranstaltung des Gildenhaus e. V.
Ob Unternehmen, Arbeitgeberverband, Gewerkschaft oder Politische Institution – für sie alle ist die Gestaltung von flexiblen Übergängen in den Ruhestand ein Thema. Dessen Aktualität zeigte sich auch in der großen Resonanz auf die Veranstaltung des Gildenhaus e. V., das am Dienstagabend in den Räumlichkeiten der Stadtwerke Bielefeld zum Austausch über Alterteilzeit und Co einlud. Aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales war der Parlamentarische Staatssekretär Klaus Brandner zu Gast und hielt einen Vortrag zu den Themen Beschäftigungschancen für Ältere, Erhaltung deren Arbeitfähigkeit und flexible Übergänge in den Ruhestand. Volker Wilde, Geschäftsbereichsleiter Personal der Stadtwerke Bielefeld, stellte das gemeinnützige Altersteilzeitmodell vor, das die Initiative für Beschäftigung OWL entworfen hat.
„Wir werden alle älter, darauf müssen wir als Gesellschaft reagieren und uns überlegen, wie wir uns im Zeitalter der Globalisierung aufstellen“, mit diesen Worten begrüßte Dr. Helmut Klatt, ehemaliger Geschäftsführer des Unternehmerverbandes des Kreis Gütersloh, die Besucher im großen Saal der Stadtwerke. Der demographische Wandel und seine Konsequenzen sind in den vergangenen Jahren immer mehr in Diskussion geraten, inzwischen ist das Wort Fachkräftemangel alles andere als ein abstrakter Begriff, aber mit der Altersteilzeitregelung und Teilrente befassen sich die wenigsten Bürger. „Deshalb sage ich deutlich, dass das Fundament für die Akzeptanz und die Einführung für ein Modell des flexiblen Übergangs eine Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung sein muss“, forderte Klaus Brandner. Der Arbeitsmarktexperte lobte die Flexibilität, die die Menschen in Deutschland in vielen Bereichen an den Tag legen, macht aber klar: „Im Bereich Übergang Beruf/ Ruhestand ist diese Flexibilität nicht da.“
Bis 2030 wird die Zahl der über 65-Jährigen um 6,4 Millionen zunehmen, auf der anderen Seite sinkt die Zahl der 14- bis 64-Jährigen um 5,3 Millionen. „Damit ist klar, dass Betriebe sich auf alternde Belegschaften einstellen müssen“, zeigte der Staatssekretär auf. Richtig gestaltet müsse diese Entwicklung kein Nachteil sein. „1998 waren weniger als 38 Prozent der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig, heute sind es rund 52 Prozent – es tut sich also etwas.“ Ältere Arbeitnehmer zeichnen sich durch Erfahrungswissen, Qualitätsbewusstsein, aber auch Teamfähigkeit aus. Diese Stärken seien wiederzuentdecken forderte Brandner. „Ältere Arbeitgeber gehören nicht zum alten Eisen und brauchen den Vergleich mit den jungen Kollegen nicht zu scheuen.“ Als Beispiel für die erfolgreichen Verbesserungschancen von älteren Beschäftigten stellte der Staatssekretär die Initiative 50plus und die dazugehörige Perspektive 50plus vor. Im Rahmen der Perspektive 50plus werden 62 regionale Beschäftigungspakte zur beruflichen Wiedereingliederung Älterer gefördert. Erfreut erklärte Klaus Brandner: „Unser Ziel, bis Ende 2007 20.000 Langzeitarbeitslose zu vermitteln, haben wir erreicht – und sogar übertroffen.“
Um Ältere länger in Beschäftigung zu halten, sei Weiterqualifizierung ein zentraler Punkt. „Heute qualifizieren sich neun Prozent der über 55-Jährigen im Betrieb weiter, das ist ganz klar zu wenig“, meinte der Staatssekretär. „Lebenslanges Lernen ist der beste Weg, um in Beschäftigung zu kommen und berufstätig bleiben zu können.“ Deshalb wurde die Förderung für die Weiterbildung von älteren Arbeitnehmern 2007 deutlich ausgeweitet.
Das Thema Teilrente, das Klaus Brandner aufgriff. stand auch im Mittelpunkt des Vortrags von Volker Wilde. Der Personaler stellte die von der Initiative für Beschäftigung OWL flexible gemeinnützige Altersteilzeit vor. „Es zielt auf den flexiblen Übergang älterer Beschäftigter im Alter von 60 bis 67 Jahren durch einen stufenweisen Mix von Arbeit und Un-Ruhestand entsprechend der Anteile Arbeitsentgeld und Teilzeitrente“, schilderte der Stadtwerke-Mitarbeiter. „Die Differenz zwischen der Teilzeit und echter Teilrente zum vergleichbaren Nettoeinkommen bei herkömmlicher Arbeitsteilzeit wird als Rentenbeitrag durch den Arbeitgeber aufgestockt und mit der Übernahme von gemeinnützigen Tätigkeiten verknüpft.“ Intensiv und kritisch diskutierte nicht nur Klaus Brandner das entwickelte Modell, sondern auch das Publikum.
„Den aktiven Ideenverbund hier vor Ort finde ich sehr gut, Menschen und Unternehmen nehmen sich selbst in Verantwortung“, lobte Brandner das Engagement der Beteiligten. Ehrlich wies er aber auch auf Schwachstellen hin. „Der Grundgedanke, dass die Übernahme von ehrenamtlichen Tätigkeiten fit hält, teile ich aber und finde in wichtig, denn wer sich engagiert macht nicht nur etwas Positives für sich, sondern auch für die Gesellschaft.“ Der Staatssekretär sicherte den Entwicklern des Modells von der Beschäftigungsinitiative zu, dass er sie bald nach Berlin einladen will, damit sie vor Experten ihre Idee vorstellen können.