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Gütersloh, 24. November 2007

Bildung als Schlüssel für einen Arbeitsplatz

Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema: Wie werden wir künftig arbeiten?/ Weit über 100 Besucher in der Stadthalle
Auf dem Podium: Prof. Dr. Dieter Timmermann (von links), Dr. Mathias Knuth, Klaus Brandner, Peter Krüger und Ulrich Tepper.
Es gibt immer mehr ältere Menschen in Deutschland, die Lebenserwartung der Bürger wächst stetig, gleichzeitig werden weniger Kinder geboren und die Zahl der jungen Menschen sinkt. All diese Veränderungen wirken sich auch auf den Lebensbereich Arbeit aus. „Wie genau werden wir in Zukunft arbeiten?“ – diese Frage stellte die Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstagabend in den Mittelpunkt ihrer Veranstaltung in der Gütersloher Stadthalle.
Weit über 150 Besucher aus dem Kreis verfolgten gespannt die Diskussion der Experten auf dem Podium und brachten sich aktiv durch Fragen und Schilderung von eigenen Erfahrungen in die Auseinandersetzung ein.

„Nicht nur die Politik muss auf Veränderungen in der Gesellschaft reagieren, sondern auch die Unternehmen sind vor neue Herausforderungen gestellt“, machte Klaus Brandner, heimischer Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Soziales in seinem Impulsreferat zu Beginn deutlich. „Die Belegschafen altern, das Erwerbspotenzial sinkt, es gibt weniger Fachkräfte.“
Deshalb sind Themen wie die Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern, lebenslanges Lernen und der Wert von Arbeit aktueller denn je. „Es ist Aufgabe einer nachhaltigen und verantwortungsbewussten Politik, Antworten auf die Probleme zu finden“, findet Brandner. Seit Jahren schon setzt der Politiker sich intensiv mit diesem komplexen Themengebiet auseinander. Auf dem Podium traf der Abgeordnete auf Prof. Dr. Dieter Timmermann, Rektor der Universität Bielefeld, Dr. Mathias Knuth, Institut für Arbeit und Qualifizierung, Peter Krüger, ehemaliger Miele-Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Ulrich Tepper, von der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld.
Bildung wird für den Arbeitsmarkt der Zukunft die Schlüsselrolle spielen, waren sich die Experten einig. „Schon heute ist ein klarer Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Qualifikation nachweisbar“, stellte Brandner die aktuelle Situation dar. „Viel zu wenig Menschen in Deutschland nehmen an betrieblicher Weiterbildung teil.“ Es gibt Gruppen in der Bevölkerung, die dem lebenslangen Lernen besonders fern sind, wie zum Beispiel alleinerziehende Frauen.
Außerdem findet besonders in klein- und mittelständischen Unternehmen, wie sie auch zahlreich im Kreis Gütersloh zu finden sind, zu wenig Weiterbildung der Mitarbeiter statt. „Wir haben mit viel Engagement den Tarifvertrag Qualifizierung erstritten, jetzt geht es darum, ihn in die Tat umzusetzen“, forderte Peter Krüger die Aktivität der Arbeitnehmer. Auch Prof. Dr. Dieter Timmermann appellierte an den eigenen Antrieb der Bürger: „Die Politik hat zwar ein Maß an Verantwortung, aber die Menschen dürfen sich nicht zurücklehnen – Bildung fängt in der eigenen Familie an.“ Wenn in der Bevölkerung nicht ein Umdenkungsprozess statt finde, wird auch in der Politik nichts geschehen.
Erste Anzeichen für eine solche Entwicklung konnte Dr. Mathias Knuth ausmachen: „Das Renteneintrittsalter steigt bereits, selten hört die Arbeit von ein auf den anderen Tag auf und die Rente fängt an.“ Diesen Trend bezifferte Klaus Brandner: 39 Prozent der 55- bis 65-Jährigen waren 1995 in Beschäftigung, aktuell sind es über 50 Prozent der Personen dieser Altersklasse. „Deutschland geht einen ambitionierten Weg“, betonte der Abgeordnete. Da die Minderheit der Arbeitnehmer von selbst aktiv wird, findet der Arbeitsmarktexperte es wichtig, dass die Bundesagentur für Arbeit noch stärker unterstützend wirkt. „Sie sollte sich mehr als Agentur für Arbeitssicherung sehen und Weiterbildungsberatung machen“, regte Brandner an. Durch zahlreiche Instrumente versucht der Gesetzgeber schon jetzt die Weiterbildungsaktivitäten von Bürgern zu fördern. Oft allerdings sind es nur die besser qualifizierten Menschen, die diese Angebote in Anspruch nehmen. „Dabei wünschen sich auch die Arbeitgeber, dass ihre Mitarbeiter sich weiterbilden“, berichtete Ulrich Tepper von seinen Erfahrungen bei der IHK.
Arbeitsbedingungen und Herausforderungen am Arbeitsplatz werden in der Zukunft eine größere Rolle spielen, stimmten die Experten überein. „Dabei wünsche ich mir, dass die Menschen auch darüber nachdenken, wie sie arbeiten wollen und damit auch Veränderungsprozesse in Gang setzen“, gab Dr. Mathias Knuth einen Denkanstoß. Ein wichtiges Thema für den aktuellen und künftigen Arbeitsmarkt sei zusätzlich die Vereinbarung von Familie und Beruf.
Was am Ende der Diskussion sehr deutlich wurde: Durch einen sozial gestalteten Arbeitsplatz ist nicht nur den Arbeitnehmern geholfen, betonte Klaus Brandner: „Sozial heißt auch ökonomisch, denn zufriedene Mitarbeiter sind nachweisbar produktiver und bringen sich motiviert für ihr Unternehmen ein.“


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