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Meldung:

Kreis Gütersloh, 24. März 2006
SPD-Bundestagsfraktion vor Ort in Gütersloh

Bessere Bedingungen für Familien und Kinder

C. Schoßmeier, G. Garbrecht, Ch. Humme, K. Brandner, U. Boden, A. Schamoni (v.l.)
Gütersloh. In Deutschland gibt es zu wenige Kinder – diese Erkenntnis sorgt derzeit auf allen Ebenen für eine breite öffentliche Debatte. Der Kreis Gütersloh hat sich sogar zum Ziel gesetzt, der familienfreundlichste Kreis Deutschlands zu werden. Der heimische Bundestagsabgeordnete Klaus Brandner hatte am Mittwochabend zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, wo sich Experten zum Thema Familienpolitik mit Bürgerinnen und Bürgern, Kommunalpolitikern und freien Trägern darüber austauschten, wie dieses Ziel erreicht werden kann.

„Wir brauchen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, dies sei Voraussetzung, um die sinkende Geburtenrate in Deutschland zu stoppen, so Christel Humme, familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Um dies zu erreichen sei eine Verbesserung der Infrastruktur für Familien notwendig. Die Familienfreundlichkeit auf allen Ebenen zu verbessern, sei aber nicht allein Aufgabe der Politik.
„Wir haben vor 30 Jahren versäumt, die Weichen richtig zu stellen“, unterstrich Günter Garbrecht, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Soziales und Gesundheit im Düsseldorfer Landtag. „Das war kein Fehler einer Partei oder der Politik. Die gesamte Gesellschaft hat die Zeichen der Zeit damals nicht erkannt.“ Wie gering das Verständnis für familienpolitische Maßnahmen noch bis vor kurzem war, konnte auch die Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbands, Ulrike Boden, aus eigener Erfahrung berichten: „Als wir vor Jahren die erste Randstundenbetreuung einführten, wurde uns vorgeworfen, wir zerstören Familien“. Nun sei ein Mentalitätswechsel notwendig, und zwar nicht nur in Politik und Gesellschaft, sondern gerade auch in der Wirtschaft. Um den Bewusstseinswandel bei Firmen und besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Region hin zu mehr Familienfreundlichkeit zu fördern, hat die Bertelsmann Stiftung das Projekt »Balance von Familie und Arbeitswelt« ins Leben gerufen. Projektmanagerin Anne Schamoni berichtete: „Es geht hier darum, auch kleinen Betrieben Modelle zu zeigen, wie sie familienfreundlich seien können und selbst Nutzen davon haben.“
Der Arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, machte auf die Zusammenhänge zwischen Demografie und Arbeitsmarkt aufmerksam. Bereits 2010 und 2011 werde der Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt deutlich spürbar sein, weil weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten werden. Deswegen sei Familienförderung auch Wirtschaftsförderung. „Diejenigen Betriebe, die ihren Arbeitnehmern keine familienfreundlichen Angebote unterbreiten wollen, verlieren zwangsläufig an Attraktivität für Arbeitnehmer mit Kindern oder Kinderwunsch.“
Wie wichtig das Thema Familienpolitik ist, machten auch die zahlreichen Teilnehmer der Veranstaltung deutlich. An die 80 Gütersloher kamen am Mittwochabend in die Räumlichkeiten der Vereinigten IKK Gütersloh, um sich zu informieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hörten nicht nur den geladenen Experten zu, sondern nutzten die Gelegenheit um sich mit kritischen Anmerkungen, Fragen und Ideen aktiv einzubringen. Die so entstandene, lebhafte Diskussion, die der Chefredakteur von Radio Gütersloh, Carsten Schoßmeier, moderierte, machte schnell deutlich, wie vielschichtig und komplex die Thematik „Familienpolitik“ ist. „Dennoch ist es wichtig, dass jenseits aller ökonomischen, finanziellen und demographischen Überlegungen die Menschen wieder merken, dass Kinder vor allem eins tun“, wünschte sich Christel Humme und sprach damit die Gütersloher direkt an. „Kinder können unheimlich viel Freude machen.“


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