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Kreis Gütersloh, 25. April 2005
Wolfgang Clement im Kreis Gütersloh

"Einen guten Politiker sehen"

Kreis Gütersloh. Roland Albers hat sich für den Samstag extra nichts vorgenommen. "Ich wollte doch mal einen guten Politiker sehen", sagt der zehnjährige Sohn von Weeke-Bohrsysteme-Geschäftsführer Jürgen Albers. Der empfängt an diesem Morgen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement in seinem Betrieb in Herzebrock-Clarholz.

Auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Brandner tourt Clement durch den Kreis, sieht sich neben Weeke noch Küchenhersteller Nobilia an, diskutiert mit Unternehmern und Betriebsräten aus der Möbelbranche über die Lage. Brandner: "Es geht nicht um Wahlkampf, sondern um einen Informationaustausch und darum, sich Firmen anzusehen, in denen sich etwas bewegt, gerade auch weil Belegschaft, Betriebsräte und Geschäftsleitung an einem Strang ziehen."

Clement fährt vor. Angesichts des herrlichen Frühlingswetters wird der Empfang bei Weeke spontan vor die Tür verlegt. Albers stellt sein Unternehmen vor, das mit 470 Mitarbeitern 77 Millionen Euro Umsatz macht, einen Exportanteil von 86 Prozent hat, vergangenes Jahr 39 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, eine Ausbildungsquote von 8,9 Prozent aufweist und High-Tech-Bohrsysteme für die Möbelindustrie herstellt. Albers: "Viele sagen, am Standort Deutschland kann man nicht mehr profitabel produzieren. Das sagen wir nicht."

Ein Satz, den Clement gerne hört, er nickt, nennt das Unternehmen "gut aufgestellt", freut sich über die neuen Arbeitsplätze und die Ausbildungsquote. Dann wirds politisch. Albers sagt in Anspielung auf die Kapitalismus-Kritik von SPD-Chef Müntefering: "Da ihr Parteichef nicht dabei ist, kann ich es ja sagen: Neben der Arbeitsplatz- und Standortsicherung ist eines unserer Ziele auch, zufriedene Kapitalgeber zu haben."

Clement schmunzelt, sagt: "Auch Müntefering mag Unternehmen, die Gewinne machen." Die Kaptitalismus-Kritik richte sich nur gegen Auswüchse, nicht gegen alle Unternehmer und schon gar nicht gegen den Mittelstand. Schließlich gebe es ohne Gewinne keine Arbeitsplätze.

Beim Rundgang durch den Betrieb hört der Minister von Albers: "Die Produktpiraterie vor allem in China ist ein riesiges Problem." Innerhalb von nur sechs Monaten würden einfachere Maschinen dort kopiert. Ein Problem, das die Möbelhersteller im Gespräch bei Nobilia auch vortragen. Clement: "Wir sind da auf EU-Ebene am Ball."

Albers berichtet aber auch davon, dass er trotz der hohen Arbeitslosen-Zahl keine Facharbeiter für seinen Drei-Schicht-Betrieb finde, und kritisiert die massive Bürokratie. Ein Thema, das Clement auch bei Nobilia entgegenschlägt. Dort wird er von Nobilia-Geschäftsführer Günter Scheipermeier begrüßt. Nach einem Besuch der Hausausstellung gehts in großer Runde weiter. Vertreter der Möbelfirmen Frommholz, Cor/Interlübke, Röhr-Busch und Tryba-Reckendrees nutzen die Gelegenheit zum Gedankenaustausch, denn die Möbelbranche erlebt auf dem Inlandsmarkt von 1999 bis heute einen Umsatzrückgang von 19 auf 16,5 Milliarden Euro. Wachstum gebe es nur noch durch Export. Die Zahl der Betriebe sei von 1.467 auf 1.196 gesunken. Tendenz fallend. Auch hier hört Clement Klagen über die EU-Bürokratie, die Erbschaftssteuer, die Mittelständler gefährde, die zu vielen Berufsgenossenschaften, das Betriebsverfassungsgesetz. Und Scheipermeier fordert: "Die Politik sollte nicht jede Woche eine neue Sau durchs Dorf jagen. Wir brauchen Ruhe, Konstanz, Verlässlichkeit, dann fasst auch der Verbraucher wieder Vertrauen und konsumiert."

Bepackt mit diesen Worten tritt Clement nach einem informellen Treffen im Garten Klaus Brandners seine Rückreise an. Fazit Clements: "Es hat sich gelohnt. Ich habe gut aufgestellte Unternehmen gesehen. Und nehme Themen mit, an denen wir weiterarbeiten werden."


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