Pressemitteilung:
03. November 2004
Zu den Arbeitsmarktzahlen für Oktober 2004
Herbstbelebung macht sich langsam bemerkbar
Zu den Arbeitsmarktzahlen für Oktober 2004 erklärt der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner:
Die Zahl der Arbeitslosen im Oktober 2004 ist im Vergleich zum September um mehr als 50.000 Personen zurückgegangen und die Zahl der Erwerbstätigen ist seit Jahresbeginn bis zum Erhebungsmonat August saisonbereinigt um fast 110.000 Personen gestiegen. Mit 4,2 Millionen Arbeitlosen liegen wir aber über den Zahlen des Vorjahresmonats.
Die konjunkturelle Entwicklung wirkt sich bislang allerdings nur schwach auf die Zahl der Arbeitslosen auf: Zwar festigt sich die Erholung der Wirtschaft allmählich, allerdings ist das Tempo im Vergleich zu früheren Aufschwüngen gering. Nicht zuletzt wegen eines hohen Ölpreises gehen die Impulse aus dem Export erst langsam auf die Binnennachfrage über. Nach den jüngsten Prognosen geht die Bundesregierung für 2005 von einem Wachstum in Höhe von 1,7 Prozent und für das laufende Jahr von einem BIP-Plus in Höhe von 1,8 Prozent aus. Die Prognose des Internationalen Währungsfonds für 2004 liegt mit 1,9 Prozent sogar noch darüber.
Weil die Arbeitsmarktreformen die Beschäftigungsschwelle gesenkt haben, nimmt seit Beginn des Jahres die Zahl der Erwerbstätigen zu: Das Statistische Bundesamt zählte im Berichtsmonat August 38,49 Millionen Beschäftigte. Damit hat die Zahl der Erwerbstätigen seit Jahresbeginn um fast 110.000 Personen zugenommen. Wichtig ist, dass es sich bei diesem Anstieg nicht "nur" um Minijobs und Ich-AGen handelt. Denn auch der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse scheint allmählich gestoppt zu sein. Im Vergleich zum Vorjahresmonat scheint mit einem leichten Rückgang um 1,2 Prozent die Trendwende beim Abbau von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen erreicht.
Positiv ist die Zusage der Bundesagentur für Arbeit: Trotz der im Oktober gewachsenen Lehrstellenlücke wird der Ausbildungspakt sein Ziel erreichen. Die Unternehmen kommen ihrer Pflicht nach und werden die Lücke zwischen 45.400 Bewerbern und 12.900 Lehrstellen mit den zugesagten 30.000 Lehrstellen und 25.000 Einstiegspraktika schließen. Bereits Ende Oktober waren 15.000 Praktikumplätze bei den Arbeitsagenturen gemeldet und schon 600 Jugendliche nehmen an Einstiegsqualifizierungen teil.
Beim Vergleich der aktuellen Arbeitslosenquote in Höhe von 10,1 Prozent mit dem Vorjahr ist eine Änderung in der Statistik zu beachten: Seit Beginn dieses Jahres gehen Personen in Trainingsmaßnahmen, wie andere Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen auch, nicht in die Arbeitslosenquote ein, weil sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Ab dem 1. Januar 2005 kommt es zu einer weiteren Änderung in der Statistik: Rund 300.000 bis 400.000 Sozialhilfeempfänger, die bereits jetzt ohne Arbeit sind, werden mit In-Kraft-Treten von Hartz IV erstmals in der Statistik der Bundesagentur auftauchen. Die Statistik wird durch diese Veränderungen ehrlicher und bildet die Situation auf dem Arbeitsmarkt besser ab.
Außerdem wird das Statistische Bundesamt ab dem 1. Januar 2005 die Erwerbstätigenzahlen monatlich erheben, so dass der bislang existierende Zeitverzug aufgehoben und eine international vergleichbare Arbeitslosenquote in jedem Monat verfügbar ist.